Im ersten Wahlgang am 29. Juni haben sich insgesamt neun Kandidaten zur Wahl gestellt. Da keiner von ihnen die absolute Mehrheit bekommen hat, gibt es am Sonntag eine Stichwahl zwischen den beiden
Kandidaten mit den meisten Stimmen: Martin Lackner von der CSU (32,9% im ersten Wahlgang) und Andreas Danzer von Freien / Unabhängigen Wählern (20,1% im ersten Wahlgang).
In einer Stichwahl ist alles möglich
Entschieden ist noch gar nichts. Denn die Stichwahl geht wieder bei Null los. Für beide Kandidaten geht es darum, möglichst viele Wählerinnen und Wähler zum Abstimmen zu bekommen. Sonst kann das Kräfteverhältnis auch noch kippen.
Beispiel: die Oberbürgermeisterwahl in Traunstein 2014. Im ersten Wahlgang führte Amtsinhaber Manfred Kösterke mit mehr als 41% deutlich. Sein Herausforderer Christian Kegel hatte nur etwas mehr als 23%. In der Stichwahl setzte sich Kegel dann aber durch.
Insgesamt sind knapp 145.000 Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Traunstein wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung vor zwei Wochen lag bei 42,4%: Da ist noch Luft nach oben.
Entscheidung am Sonntagabend
Am Sonntag sind die Wahllokale bis 18.00 Uhr geöffnet. Danach wird ausgezählt. Das Landratsamt Traunstein geht davon aus, dass der neue Landrat bis etwa 20.00 Uhr feststeht. Er ist dann ausnahmsweise sieben Jahre im Amt, bis 2032 (weil die Landratswahl heuer schon ein Jahr vor der „regulären“ Kommunalwahl ist).
Aber was macht ein Landrat eigentlich?
Nach der letzten Wahl haben uns einige Nachrichten erreicht, in denen ihr uns gefragt habt, was der Landrat eigentlich macht? Die Unwissenheit darüber, hat bei einigen dazu geführt, nicht zum Wählen zu gehen. Deshalb bringen wir gerne Licht ins Dunkle und haben mit dem ehemaligen Landrat Sigi Walch darüber gesprochen.
Das, was wir von ihm sehen, sind meistens nur Reden und Händeschütteln auf Festen und anderen wichtigen Terminen. Das ist aber nur ein winziger Teil der Arbeit eines Landrates. Alle Aufgaben hat Sigi Walch wie folgt im BAYERNWELLE-Interview zusammengefasst:
„Er ist einerseits Oberhaupt des Landkreises und hat kommunale Aufgaben. Aber er ist auch Chef des staatlichen Landratsamts. Das heißt konkret, dass er Aufgaben umsetzen muss, die der Freistaat Bayern beschließt und für die der Staat keine eigene Behörde hat.“
Und das sind ganz viele Aufgaben, wie Katastrophenschutz, Abfallwirtschaft und Co. Dafür hat das Landratsamt viele Abteilungen, die sich darum kümmern. Der Landrat als Chef dieser Behörde ist am Ende des Tages derjenige, der den Abteilungen vorgibt, was sie wie zu machen haben.
Ein Landrat gibt vor, welche Dinge im Landkreis verändert werden müssen
Der Landrat gibt also vor, welche Themen im Landkreis angegangen werden müssen und wie. Sei es im Bauwesen dafür zu sorgen, dass Bauanträge digital abgewickelt werden können, dadurch alles schneller geht und so die Bauwirtschaft angekurbelt und der Wohnungsbau schneller vorangebracht wird oder die weiterführenden Schulen mit Tabletts zu versorgen. Aber auch die Kreisstraßen, Altenheime und Kliniken gehören zu den Bereichen, um die sich der Landrat in unserer Region kümmern muss.
Ein gutes Beispiel ist auch der Katastrophenschutz, so Walch:
Zum einen entscheidet der Landrat schon mal, wann ein Katastrophenfall vorliegt. Und mit dieser Entscheidung sind dann ganz viele Befugnisse verbunden. Das geht so weit, dass der Landrat in einem K-Fall theoretisch Beschlagnahmungen durchführen kann, damit wirklich schlagfertig gegen die Katastrophe agiert werden kann. Ein gutes Beispiel ist das Thema Hochwasser oder Schneekatastrophe. Hier muss einfach zentral entschieden werden. Der Landrat beruft dann den Krisenstab mit allen Rettungsorganisationen ein. Die beraten den Landrat und der trifft am Ende dann die Entscheidungen, wie vorgegangen werden muss.
Jeder ist von Entscheidungen des Landrates betroffen – und zwar täglich
Also jeder der schon mal im Winter über eine geräumte Kreisstraße gefahren ist, einen Führerschein beantragt hat oder sich gefreut hat, endlich eine Bio-Tonne zu haben, hatte in diesem Moment mit einer Aufgabe des Landrates zu tun. Der führt zwar nicht alles selbst aus, kümmert sich aber darum, dass alles läuft.
Mit der Wahl am Sonntag bestimmen wir somit denjenigen, der sich in Zukunft um all diese Themen kümmern muss. Wir wählen also denjenigen, von dem wir überzeugt sind, dass er unseren Landkreis in genau die Richtung führt und die Dinge verändert, die wir auch gut finden. Und weil wir eben jeden Tag von Entscheidungen des Landrates abhängig sind, ist diese Wahl auch so wichtig.