Ab dem 1. November 2025 tritt ein neuer Hebammenhilfevertrag in Kraft, der die Arbeitsbedingungen und Vergütung freiberuflicher Hebammen in Deutschland neu regeln soll. Der Vertrag sieht eine Erhöhung der Stundenvergütung von etwa
56 € auf 74 € vor, was einer Steigerung von rund 33 % entspricht. Zudem sollen viele Einzelleistungen zusammengefasst werden, um Bürokratie abzubauen und den Hebammen mehr Zeit für die Betreuung von Schwangeren, Wöchnerinnen und deren Kindern zu ermöglichen. (Quelle: GKV)
Streitpunkt: Abnehmende Vergütung bei mehreren betreuten Frauen
Trotz der geplanten Verbesserungen gibt es heftige Kritik. Grund ist die geplante Streichung der Hebammen aus dem Pflegebudget der Kliniken. Diese Änderung könnte laut Hebammenverband zu Stellenabbau und einer schlechteren Versorgung führen – besonders auf Wochenbettstationen. Dort würden Hebammen möglicherweise durch Pflegepersonal ohne geburtshilfliche Ausbildung ersetzt.
Ein zentrales Ziel des neuen Vertrags ist die Förderung der 1:1-Betreuung, bei der eine Hebamme eine Frau während der gesamten Geburt begleitet. Das Finanzierungsmodell bei der 1:1-Betreuung sieht vor, dass die höchste Vergütung für die erste betreute Frau gezahlt wird. Wird gleichzeitig eine zweite oder dritte Gebärende betreut (was in der Praxis häufig vorkommt), sinkt die Vergütung pro Frau deutlich ab. Kritikpunkt seitens der Hebammen ist dabei der automatisch erzeugte Druck, mehrere Frauen gleichzeitig zu versorgen aber dafür anteilig weniger Geld dafür zu bekommen.
Streitpunkt: Personalmangel
Zwar ist im neuen Vertrag eine bessere Vergütung für die 1:1-Betreuung vorgesehen, doch die Realität in vielen Kreißsälen sieht anders aus. Oft betreut eine einzelne Hebamme mehrere Gebärende gleichzeitig, weil schlicht zu wenig Personal zur Verfügung steht. In Großkliniken mit mehreren Entbindungen pro Stunde ist eine echte 1:1-Betreuung organisatorisch kaum möglich, unabhängig von der Bezahlung.
Zentrale Forderungen der Online-Petition:
Als Reaktion auf diese geplante Gesetzesänderung wurde eine Online-Petition in’s Leben gerufen, die sich gegen die Streichung der Hebammen aus dem Pflegebudget ausspricht. Der Deutsche Hebammenverband fordert weiterhin eine verbindliche 1:1-Betreuung durch Hebammen während der Geburt und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen
Zusammengefasst:
- Keine Streichung der Hebammen aus dem Pflegebudget
- Verbindliche 1:1-Betreuung unter der Geburt
- Sichere und gut finanzierte Geburtshilfe in allen Regionen
- Erhalt und Ausbau von Hebammenstellen in Kliniken
Die Diskussion um den neuen Hebammenhilfevertrag zeigt, wie wichtig eine angemessene Anerkennung und Unterstützung des Berufsstandes ist, um eine qualitativ hochwertige Versorgung von Schwangeren und Wöchnerinnen sicherzustellen.
Den Hebammenhilfevertrag kann jeder unterschreiben, HIER geht’s zur Online-Petition.