In Prien am Chiemsee steht die zweite Fahrraddemonstration innerhalb weniger Wochen an. Für Freitag, den 6. Februar, ruft das Netzwerk „KomMit – Kommunal Mitmachen“ erneut zu einem Radkorso auf. Start ist um
7.30 Uhr am Marktplatz, die Route führt über den Wendelsteinplatz bis zur Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule Prien am Chiemsee. Initiator Florian Böck hatte den ersten Korso bereits angemeldet, bevor seine Tochter Anfang des Jahres auf dem Weg zur Schule von einem Auto angefahren wurde und sich leicht verletzte; die Fahrerin oder der Fahrer beging Fahrerflucht. Der Vorfall bestärkte ihn in seinem Engagement, auch wenn er nicht der Auslöser der Aktion war.
Der Priener Lehrer fordert mehr Verkehrsberuhigung, zusätzliche 30er-Zonen und teilweise Einbahnstraßen, um Platz für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen. Gerade Kinder, ältere Menschen und andere „schwächere Verkehrsteilnehmer“ fühlten sich im Ortskern oft unsicher. Radwege seien selten oder endeten unvermittelt, Gehwege teils sehr schmal. Unterstützung bekommt er von weiteren engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Beim ersten Korso nahmen nach Veranstalterangaben rund 80 Menschen teil – mehr als erwartet.
Die Initiative betont, dass es nicht nur um einzelne Straßen gehe, sondern um eine grundsätzliche Frage der Ortsplanung. Prien stehe beispielhaft für viele ländliche Gemeinden, in denen der Autoverkehr über Jahre Priorität hatte. Eine Verbesserung sei aus Sicht Böcks nur mit professioneller Verkehrs- und Stadtplanung zu erreichen – und mit entsprechenden Investitionen.
Was der Bürgermeister dazu sagt
Der erste Bürgermeister Andreas Friedrich betont gegenüber der BAYERNWELLE in einer Stellungnahme: die Verbesserung der Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer sei seit Jahren ein wichtiges Thema für den Markt Prien. Seit 2020 seien mehrere Projekte umgesetzt worden, die sowohl den Alltagsradverkehr als auch die Schulwegsicherheit stärken sollen. Als Beispiele nennt er sanierte Straßen mit neuen Geh- und Radwegen, eine moderne Fahrradabstellanlage am Bahnhof sowie punktuelle Verbesserungen an Engstellen.
Zugleich verweist Friedrich auf Grenzen, die sich aus der gewachsenen Ortsstruktur und verschiedenen Zuständigkeiten ergeben – etwa bei der Bernauer Straße, die als Staatsstraße nicht allein in der Verantwortung der Kommune liegt. Wichtig sei ihm, beim Thema Mobilität im Gespräch zu bleiben: Initiativen, Vereine und Bürgerinnen und Bürger könnten sich mit konstruktiven Vorschlägen jederzeit an den Markt Prien wenden.
Vom Bürgermeister genannte Projekte seit 2020
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Sanierung der Weidachstraße mit neuem, auch für Radfahrer freigegebenem Gehweg
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Sanierung der Osternacher Straße mit neuem Geh- und Radweg
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Neuer Radweg an der Harrasser Straße zur Entschärfung einer engen, unübersichtlichen Stelle
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Moderne Fahrradabstellanlage am Bahnhof
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Neuer Gehweg an der Hochriesstraße
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Zusätzliche Fahrradspur am Bahnübergang Harrasser Straße
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Seit Dezember 2025: Bau der Ortsumfahrung Prutdorf als Lückenschluss für einen sicheren Geh- und Radweg zwischen Bachham und Wildenwart
Der Fahrradkorso am Freitag soll rund zehn Minuten dauern. Für Autofahrende könnte es in dieser Zeit im Ortskern kurzzeitig zu Behinderungen kommen. Das Netzwerk „KomMit!“ ruft Eltern, Kinder und alle Interessierten auf, sich zu beteiligen – für mehr Sicherheit auf Priener Straßen.
Wer ist „KomMit!“?
KomMit – Kommunal Mitmachen ist ein überparteiliches Priener Netzwerk aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern, das sich für eine positive Entwicklung der Gemeinde einsetzen will. Die Gruppe ist nach eigenen Angaben im und außerhalb des Gemeinderats aktiv und versteht sich als Plattform für Ideen, Austausch und Beteiligung.
Ziel von „KomMit“ ist es, kommunale Themen aufzugreifen, Diskussionen anzustoßen und Impulse für die Lebensqualität im Ort zu geben. Dabei bringt das Netzwerk unterschiedliche Perspektiven aus der Bürgerschaft zusammen und wirbt für konstruktiven Dialog mit Politik und Verwaltung.